50 Jahre EFRE: Ein Fundament für den europäischen Zusammenhalt

04.07.2025

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung feiert Jubiläum und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Robert Schumann 1957

Vor einem halben Jahrhundert, im März 1975, wurde der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit einer ambitionierten Mission gegründet: regionale Disparitäten zu verringern, das Wirtschaftswachstum zu fördern und den Zusammenhalt zwischen Europas Regionen zu stärken. Fünfzig Jahre später ist seine Wirkung unbestreitbar – er hat lokale Wirtschaften weiterentwickelt, Chancen geschaffen und Europas soziale Marktwirtschaft gestärkt.

Von der Vision zur Realität

Obwohl der EFRE offiziell 1975 startete, reichen seine Wurzeln bis 1957 zurück, als der Vertrag von Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) begründete. Bereits damals war klar, dass regionale Ungleichgewichte einer wirtschaftlichen und sozialen Konvergenz Europas entgegenstanden. Der EFRE sollte ursprünglich 1973 mit der ersten Erweiterung um Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich beginnen, wurde aber aufgrund der Ölkrise erst 1975 gestartet.

Von Anfang an verfolgte der Fonds eine doppelte Mission: die Unterstützung wirtschaftlich schwacher Regionen – besonders relevant für das damals ärmste Mitgliedsland Irland – und die Revitalisierung strukturschwacher Industriegebiete. Doch seine Ambitionen reichten weit über regionale Hilfe hinaus. Wie Albert Borschette, Kommissar für Regionalpolitik (1970-1973), betonte: "Eine Währungsunion ist nicht möglich, wenn die derzeitigen Disparitäten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen bestehen bleiben."

Wegbereiter für die Einheit

Die 1980er Jahre bestätigten die strategische Bedeutung des EFRE, als Griechenland, Portugal und Spanien nach dem Ende ihrer Diktaturen der europäischen Familie beitraten. Die Einheitliche Europäische Akte von 1986 gab dem EFRE ein erneutes Mandat und legte den Grundstein für eine gestärkte Kohäsionspolitik.

1988 war der EFRE vollständig in eine kohärente Politik eingebettet, die auf Prinzipien basierte, die bis heute Bestand haben: Fokus auf die ärmsten Regionen, mehrjährige Programmplanung, strategische Investitionsprioritäten und direkte Beteiligung lokaler Partner. Der EFRE war in die Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) eingebettet, für die insgesamt 69 Milliarden Euro in der bis 1993 dauernden Förderperiode zur Verfügung standen. 

Der Erfolg war messbar: Zwischen 1989 und 1993 entstanden in den vier wirtschaftlich schwächsten Mitgliedsstaaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien 600.000 Arbeitsplätze durch ESIF-unterstützte Programme. Das Pro-Kopf-BIP in diesen Ländern stieg von 68,3% auf 74,5% des Gemeinschaftsdurchschnitts.

Anpassung an neue Herausforderungen

In den folgenden Jahrzehnten passte sich der EFRE kontinuierlich an neue Gegebenheiten an. Die Konsolidierungsphase 1994-1999 brachte ein ESIF-Budget von 168 Milliarden Euro. Basierend auf der Lissabon-Strategie war das Ziel der EU ab dem Jahr 2000, sich zu einem wettbewerbsfähigen, dynamischen, wissensbasierten Wirtschaftsraum zu entwickeln. Die Prioritäten lagen auf der Schaffung von Arbeitsplätzen, sowie der Förderung von Wachstum und Innovation. Ein bedeutender Meilenstein war die Erweiterung der EU von 2004 um zehn Länder. Diese wurden bereits im Vorfeld mit Pre-Accession Förderinstrumenten eingebunden. Das Budget der ESIF-Fonds für die Förderperiode 2000-2006 stieg auf 235 Milliarden Euro.

Ab 2007 waren alle EU-Regionen förderfähig. 25% des 347 Milliarden Euro umfassenden ESIF-Budgets für 2007-2013 flossen in Forschung und Innovation, was zur Schaffung von einer Million Arbeitsplätzen und zur Unterstützung von 400.000 KMU und 120.000 Start-Ups führte.

2010 wurde mit der Strategie Europa 2020 der Fokus auf intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum gesetzt. Dazu kamen die Digitale Agenda und die Emissionsreduktion als Förderziele in der Förderperiode 2014-2020 hinzu. 15 Millionen Menschen pro Jahr erhielten berufliche Aus- und Weiterbildung. 1,1 Millionen KMU erhielten Förderungen, 14,5 Millionen Haushalte wurden an das Breitbandnetz angeschlossen. Das Gesamtbudget für den ESIF betrug 352 Milliarden Euro.

2020 wurde im Europäischen Grünen Deal der Weg Europas zur Klimaneutralität manifestiert. Die gegenwärtige Förderperiode 2021-2027 steht daher auch im Zeichen des Grünen und Digitalen Wandels. Im Rahmen der Kohäsionspolitik wird das ESIF-Budget rund 500 Milliarden Euro betragen.

Blick in die Zukunft

Heute steht der EFRE erneut vor Herausforderungen: geopolitische Instabilität, industrieller Wandel, die Folgen der COVID-19-Pandemie sowie des Ukraine-Krieges, Migration, Jugendarbeitslosigkeit.

Der EFRE hat sich von einem pragmatischen Instrument zur Bewältigung wirtschaftlicher Ungleichgewichte zu einem Eckpfeiler der Europäischen Union entwickelt. Seine 50-jährige Geschichte ist ein Beweis für die Fähigkeit zur Evolution bei gleichzeitiger Treue zur ursprünglichen Mission: die Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Gefüges Europas.

Vor 50 Jahren hätte sich kaum jemand das starke und geeinte Europa von heute vorstellen können. Und die Geschichte führt uns noch weiter: Der EFRE bleibt auch in Zukunft ein unverzichtbares Instrument europäischer Solidarität und wird sich weiterhin an die Bedürfnisse der Zeit anpassen – ohne dabei die Gemeinden und Regionen zu vergessen, für die er bestimmt ist.

Bewegende Bilder

Videos (in Englischer Sprache) mit historischen Originalaufnahmen dokumentieren die Geschichte von der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1957 an bis zur heutigen Förderperiode 2021-2027

Die Geschichte des EFRE (in Englischer Sprache): https://ec.europa.eu/regional_policy/whats-new/panorama/2024/03/19-03-2025-the-erdf-50-years-of-strengthening-european-cohesion_en

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