Auf dem Weg in eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft gewinnen Kreislaufwirtschaft und Recycling an Bedeutung. Die Anforderungen an eine Abfallbehandlung, die Wertstoffe maximiert und Reststoffe minimiert, steigen. Andererseits können Fehlwürfe in die Biotonne nie ganz ausgeschlossen werden. Das feuchte Ausgangsmaterial erschwert wortwörtlich das Aussortieren von Störstoffen vor der Kompostierung. Und danach ist das verrottete Material so kleinteilig, dass herkömmliche Sortiermaschinen diese nicht mehr aussieben können. Im burgenländischen Unterkohlstätten haben zwei Männer eine Lösung für dieses Dilemma gesucht und gefunden.
Josef Heissenberger, Geschäftsführer von TCS Umwelttechnik, und der Technische Leiter, Philip Herics, nahmen 2019 die Herausforderung an. Drei Jahre haben sie getüftelt und getestet, geschraubt und geprüft. Unterstützt wurde die Entwicklung eines Prototypen für eine nicht-stationäre Sortiermaschine mit einer FFG-Basisförderung: „Der Compostdetective sortiert in einem Arbeitsgang aus dem fertigen, auf 20 Millimeter vorgesiebten Kompost, schwere und leichte Störstoffe. Aus dem feinkörnigen Material scheidet er gleichzeitig Stein- und Glas-Stückchen sowie leichte Fraktionen, vulgo Plastikfuzerl, ab. Das ermöglicht letztlich, immer strengere Auflagen zu erfüllen“, erklärt Heissenberger nicht ohne Stolz.
Mobiles Sortieren mit Wirbelsturm
Herzstück der Sortiermaschine mit untrüglichem Spürsinn ist die zentrale Einheit mit Zyklon und densometrischen Trenntischen. Das Ausgangsmaterial im Bunker wird über Förderschnecken zu parallel laufenden Sortiereinheiten transportiert. Hier wird das Material mittels Schwingung und Belüftung von unten in Schwebe gebracht und in Fraktionen geschichtet. Das Schwergut wandert am Trenntisch auf einer schiefen Ebene nach oben und wird abgeschieden. Die „Fuzerln“ schwimmen als leichteste Fraktion am Kompost auf und werden abgesaugt. Übrig bleibt die goldene Mitte, der fertige Kompost, erläutert Herics die schrittweise ballistische Abscheidung.
Das kongeniale Duo hat eine Maschine konzipiert, die kompakt angeliefert wird, und sobald sie ausgeklappt und angeschlossen wurde, betriebsbereit ist. Sie passt auf ein standardisiertes 40 Fuß Container-Chassis, was den Transport in alle Welt erheblich erleichtern wird. In Arbeitsstellung ist der Compostdetective 12 Meter lang, 8 Meter hoch und 10 Meter breit. Auf Bestellung wird die Sortiermaschine entweder mit einem emissionsarmen Motor oder mit einem Starkstromanschluss (60 kW) ausgeliefert. Abnehmer für diese Innovation in der Abfallbehandlung sieht Geschäftsführer Heissenberger nicht nur in Europa, sondern weltweit.
„Durch den einfachen Transport ohne Sondergenehmigungen kann der Compostdetective überallhin verschickt werden. Auch in entfernte Länder, wo Trennsysteme und Abfallbehandlung noch im Aufbau sind.“
Ing. Josef Heissenberger, Geschäftsführer
Das Gerät spielt seine Anschaffung im Wert eines Einfamilienhauses wieder herein. Es rentiert sich jedenfalls für Kommunen und Dienstleistungsunternehmen, die mindestens 10.000 Tonnen Fertigkompost pro Jahr erzeugen. Denn das aussortierte Material hat einen Wert, und der fertige Kompost gewinnt an Wert. Damit die mobile Maschine überhaupt in Serie gefertigt auf dem Weltmarkt angeboten werden kann, musste zunächst die Produktionsstätte nachgerüstet werden. Hier kam die EFRE-Förderung ins Spiel.
Der “Compostdetective” benötigte mehr Platz
Seit März 2023 wird der "Compostdetective" und ein ebenfalls selbst entwickelter Hacker zur Zerkleinerung gemeinsam in der brandneuen Produktionshalle assembliert. 2024 sollen fünf ausgefeilte Sortiermaschinen produziert werden. In den Jahren davor herrschte Platzmangel. Die Maschinen mussten mehrmals auf dem Werksgelände hin- und her bewegt und teilweise im Freien montiert werden. Die aus EU-Mitteln kofinanzierte Halle mit Bauteilaktivierung misst 20 mal 30 Meter und hat einen integrierten Werkskran mit 9 Meter Hakenhöhe. In der geheizten Halle kann der Compostdetective in voller Länge aufgeklappt, die Bestandteile für eine ergonomische Montage in der gewünschten Höhe angehoben und das fertige Produkt passgenau verladen werden.
PV-Strom für die werkseigene E-Tankstelle
Die neue Halle wird mit Hackschnitzeln beheizt, die bei der Inbetriebnahme der Hacker anfallen. Die PV-Anlage für das Dach durchläuft gerade den Genehmigungsprozess. Einmal montiert, wird sie Strom für die werkseigene E-Tankstelle liefern. Die Dimension, Funktionalität und Ausstattung der Halle, hat Philip Herics selbst passgenau geplant. Bau und Umsetzung übernahm ein Generalunternehmer mit Spezialfirmen. Die Fertigungshalle mit modernen Montageplätzen – vom Schweißgerät bis zur Softwareausstattung – erhöht die Arbeitszufriedenheit. Sie spart nicht nur Energie, sondern auch Produktionszeit.
„Schritt für Schritt besser werden mit Zug zur Perfektion“ ist ein Leitmotiv der Firma. Die TCS Umwelttechnik entwickelte sich 2015 als Dienstleister aus einem Fuhrparkunternehmen mit Wartungsbetrieb und Maschinen-Mietservice. Vom Umbau von Hackern, Shreddern und Siebmaschinen ging es immer mehr in Richtung Konstruktion und Design. Den idealen Partner, um Maschinen zu entwerfen und zu bauen, fand Umwelttechniker Josef Heissenberger 2019 in seinem technischen Leiter. Beide hatten zuvor bei der Firma Komptech Umwelttechnik gearbeitet, die nun auch den internationalen Vertrieb für den Compostdetective übernommen hat.
Wer geschätzt 2.500 Stunden eine Maschine konstruiert, gibt angesichts strenger Förderauflagen nicht auf. Als unerwartete Nebeneffekte verzeichnet Herics mehr Aufmerksamkeit und eine höhere Bekanntheit.
„Durch die Förderung ist die Firma regional präsenter, auch in der Politik. Wir sind heute in Unterkohlstätten ein wachsender Betrieb und bekommen auch Initiativbewerbungen. Die neue Halle ist ein Hingucker von der Bundesstraße aus.“
DI Philip Herics, Technischer Leiter
Neben der Förderung und dem Timing hält Geschäftsführer Heissenberger die „richtigen Leute“ für den Erfolgsfaktor. Insgesamt 31 Menschen arbeiten in der TCS Umwelttechnik und im Recyclingbetrieb noch einmal 21: „Wir hatten die Menschen, die das umsetzen können und ihr unerschütterliches Vertrauen in die Chefetage, dass wir das Geplante schaffen können. Das ist nicht selbstverständlich.“
